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Hochwasserschutz Stadt Erlangen

Planungsanlass und Hochwassersituation

Die Stadt Erlangen wird von der Schwabach, einem Gewässer II. Ordnung durchflossen.
Bei der Ermittlung der Überschwemmungsgebiete hat sich gezeigt, dass die bereits vorhandenen Schutzanlagen entlang der Schwabach nicht ausreichen, um bei einem hundertjährlichen Hochwasser die Überschwemmung größerer Siedlungsgebiete zu verhindern.
Das betrifft besonders den Bereich zwischen Bahnlinie und Essenbacher Straße. Das Hochwasser bricht in einem solchen Fall oberhalb der Essenbacher Brücke linksufrig aus, überschwemmt großräumig Wohnbebauungen zwischen der Essenbacher Brücke und dem Bahndamm. Auch am nördlichen Ufer sind Ausuferungen mit Überschwemmungen von Wohnhäusern zu verzeichnen.


Übersichtslageplan mit Darstellung der vom Hochwasser betroffenen Siedlungsbereiche Übersichtslageplan mit Darstellung der vom Hochwasser betroffenen Siedlungsbereiche

Auch können die bereits bestehenden Uferverbauungen nicht mehr weiterverwendet werden und wurden in der Planung durch neue Maßnahmen ersetzt. Beispielsweise sind die vorhandenen Stahlspundwände durch Korrosion geschwächt und die Deichanlagen zu großen Teilen mit Gehölzen bewachsen.


Aufnahme Hochwasser November 2013

Aufnahme im November 2013

Konzept und Planung

Projekt-Information

  • Gewässer: Schwabach, Gewässer II. Ordnung
  • Mittelwasserabfluss MQ: 1,52 m³/s
  • Bemessungsabfluss HQ100 +Klimazuschlag 15%: 100 m³/s
  • Vorentwurfsplanung: abgeschlossen
  • Entwurfs- und Genehmigungsplanung: abgeschlossen
  • Einreichen der Antragsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren: abgeschlossen
  • Bauherr: Freistaat Bayern
  • Kostenträger: Stadt Erlangen 50%, Freistaat Bayern 50%
  • Stand: Oktober 2025

Die Planungen wurden in enger Abstimmung mit den Ämtern der Stadt Erlangen sowie den betroffenen Anliegern durchgeführt. Im Zuge mehrerer Planungsworkshops wurden die Belange der Bürgerinnen und Bürger aufgenommen und verstärkt in die Planungen zur Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahme integriert.

Bei der Planung wurde größter Wert auf den Erhalt vorhandener Bäume gelegt und der Trassenverlauf zum Schutz von Bäumen weitestgehend optimiert, um erforderliche Fällungen auf das erforderliche Minimum zu reduzieren.

Im Vorfeld wurden bereits 5 Grundwassermessstellen hergestellt. Die Aufzeichnungen der Grundwassermessstellen sind einerseits wichtige Planungsgrundlage, andererseits dienen sie auch der Dokumentation der Grundwasserstände vor, während und nach der Baumaßnahme.

Die erarbeitete Lösung setzt sich aus mehreren Einzelmaßnahmen zusammen, die insgesamt einen Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser inklusive Klimazuschlag von 15 % sicherstellen.

Lageplan Planung Lageplan der Maßnahmen

Maßnahmen

Maßnahme 1: Stützmauer entlang Bahngelände

Beginnend am Bahndamm wird eine Hochwasserschutzwand errichtet, welche als Stützmauer aus Stahlbeton geplant ist.

Querschnitt Maßnahme 1, Stützmauer entlang Bahngelände Querschnitt Maßnahme 1, Stützmauer entlang Bahngelände

Maßnahme 2: HWS-Wand Neubau

Neben der bereits bestehenden Stützmauer aus Stahlbeton wird eine neue Hochwasserschutzwand (HWS) in der erforderlichen Höhe geplant. Nach Errichtung dieser Wand wird die bestehende Mauer rückgebaut. Die neue Hochwasserschutzwand wird parallel zur Schwabach bis zum Anschluss an die neue Bohrpfahlwand fortgeführt und ist als Stahlbetonmauer geplant.

Querschnitt Maßnahme 2, Mauerneubau (Ersatz für bestehende Mauer) Querschnitt Maßnahme 2, Mauerneubau (Ersatz für bestehende Mauer)

Maßnahme 3: Gewässerverlegung

Etwas auf Höhe der Maßnahme 2 wird die Schwabach um bis zu 6 m nach Norden verlegt. Durch den zusätzlichen Vorlandabtrag von etwa 500 m³ am Nordufer wird der Abflussquerschnitt für den Hochwasserfall vergrößert. Für den Normalabfluss wird ein Niedrigwassergerinne mit variierenden Böschungsneigungen hergestellt.

Querschnitt Maßnahme 3 Querschnitt Maßnahme 3

Maßnahme 4: Stahlspundwand Nordufer Schwabach

Entlang der Maßnahme 4 befindet sich ein bestehender Hochwasserschutzdeich, der aufgrund seiner Höhe das geforderte Schutzziel nicht erreicht. Da eine Erhöhung durch Aufschüttung aus Platzgründen nicht möglich ist, ist geplant, in den Deich eine Stahlspundwand zu rammen.

Querschnitt Maßnahme 4 Querschnitt Maßnahme 4

Maßnahme 5: Bohrpfahlwand

Hinter den bestehenden Stahlspundwänden bzw. der bestehenden Sandsteinmauer sind Bohrpfähle aus Stahlbeton geplant. Die Bohrpfähle haben einen Durchmesser von 60 cm, sind bis zu 9 m lang und werden ca. 6 m unter Gewässersohle in tragfähigem Untergrund gegründet. Der obere Abschluss der Bohrpfähle wird mittels auskragender Bauteile so hergestellt, dass eine Nutzung der Oberfläche wie bisher möglich ist. Nach Errichtung der Bohrpfähle werden die bestehenden Stahlspundwände und die Sandsteinmauer abgebrochen. Durch den Rückversatz der Bohrpfähle wird außerdem der Abflussquerschnitt der Schwabach vergrößert. Die Absturzsicherungen als Geländer werden wie ursprünglich wiederhergestellt.

Querschnitt Maßnahme 5, Bohrpfahlwand Querschnitt Maßnahme 5, Bohrpfahlwand

Maßnahme 6: HWS-Wand Neubau

Entlang des bestehenden Fuß- und Radweges sind bislang keine Schutzeinrichtungen vorhanden. Hier ist die Errichtung einer Mauer aus Stahlbeton geplant. Um das Wurzelwerk des alten Baumbestandes zu schonen ist eine Gründung mit Pfählen geplant, auf denen die eigentliche Schutzwand errichtet wird.

Querschnitt Maßnahme 6, HWS-Wand Neubau mit Pfahlgründung Querschnitt Maßnahme 6, HWS-Wand Neubau mit Pfahlgründung

Maßnahme 7: HWS-Wand Neubau Nordufer Mühlbach

Der vorhandene Bereich entlang des Mühlbachs wird bei einem hundertjährlichen Hochwasser überströmt. Eine Erhöhung des Deiches in Erdbauweise ist nicht möglich, da der Deich durch den vorhandenen Bewuchs durchwurzelt ist und daher nicht mehr als Schutzdeich verwendet werden kann. Gemäß der Freiraumplanung ist die Errichtung einer Hochwasserschutzwand nordseitig am Fuß des bestehenden Deiches geplant. Die Anlage der Wand wird genutzt um eine Uferterrasse mit einzelnen Bänken auszubilden.

Querschnitt Maßnahme 7, HWS-Wand Neubau - Bestandsdeich Querschnitt Maßnahme 7, HWS-Wand Neubau - Bestandsdeich

Maßnahme 8: HWS-Wand Erhöhung

Die vorhandene Mauer am Nordufer des Mühlbachs reicht gerade nicht mehr aus, um das Bemessungshochwasser zurückzuhalten. Es ist daher geplant, diese Mauer geringfügig im Bestand zu erhöhen. Dadurch wird auch der erforderliche Freibord, also der Abstand zwischen Oberkante Mauer und Wasserspiegel, eingehalten.

Querschnitt Maßnahme 8, Erhöhung der bestehenden Mauer Querschnitt Maßnahme 8, Erhöhung der bestehenden Mauer

Maßnahme 9: HWS-Wand Neubau

An die Bestandsmauer anschließend wird eine neue Hochwasserschutzwand errichtet.

Querschnitt Maßnahme 9, HWS-Wand Neubau in Verlängerung zu Bestandsmauer Querschnitt Maßnahme 9, HWS-Wand Neubau in Verlängerung zu Bestandsmauer

Maßnahme 10: Mobile Elemente

An drei Stellen kommen Mobile Hochwasserschutzelemente zum Einsatz. Diese sind temporäre Systeme aus beispielsweise Aluminium oder Stahl, die nur bei Hochwasser eingesetzt und danach wieder entfernt werden.

Im Gegensatz zu den ortsfesten Hochwasserschutzwänden müssen diese Systeme im Hochwasserfall aufgebaut werden. Dies erfordert Personal- und Geräteeinsatz. Ferner sind sie anfälliger gegenüber außerplanmäßigen Belastungen, wie beispielsweise dem Anprall von Treibholz. Da der Einsatz Mobiler Elemente im Vergleich zu ortsfesten Anlagen ein höheres Risiko birgt, gilt ein sogenanntes Minimierungsgebot.

Maßnahme 11: Zuwegung Unterhaltung

Für zukünftige Unterhaltungsarbeiten wird eine Zuwegung geschaffen.


Weiterer Projektablauf

  • Abschluss des Planfeststellungsverfahrens voraussichtlich Ende 2026
  • Geplanter Baubeginn 2027
  • Fertigstellung aller Bauabschnitte voraussichtlich 2030

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