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Hochwasserereignisse

Hochwasser sind Teil des natürlichen Wasserkreislaufs.
Nicht Menschenhand, sondern die Natur selbst verursacht dieses Phänomen.
Ergiebige Niederschläge, manchmal auch mit Schneeschmelze verbunden, sind Teil des alljährlich wiederkehrenden Wettergeschehens. Hochwasser lassen sich deshalb auch nicht verhindern oder gar abschaffen. So bleibt den Menschen nur die Möglichkeit, dem Fluss seinen Raum zu geben oder mit dem Hochwasserrisiko zu leben.

Katastrophen wie das Hochwasser am Magdalenentag im Jahr 1342 oder das verheerende Hochwasser am Main von 1784 waren Ereignisse, die viele Menschenleben kosteten und riesige Schäden anrichteten.
Die historischen Aufzeichnungen dokumentieren, dass fast jede Generation schmerzhafte Erfahrungen mit Überschwemmungen machte. Dies reicht bis in die Gegenwart.

Die Städte und Gemeinden in Nordmittelfranken blieben von den verheerenden und weiträumigen Katastrophenhochwässern der letzten Jahre zumeist verschont. Das muss nicht so bleiben.
Auch in unserer vergleichsweise niederschlagsarmen Region sind extreme Hochwässer nicht ausgeschlossen, zumal der Klimawandel eine Häufung von extremen Wetterlagen erwarten lässt.
So wurden in den zurückliegenden Jahren die größten Hochwasserereignisse an den Flüssen wie folgt registriert:

  • Dezember 1993 Fränkische Rezat
  • April 1994 Rednitz
  • Januar 1995 Aisch

Historische Hochwasserereignisse

Jahrestag Pfingsthochwasser 1999


Vor 20 Jahren ereignete sich zu Pfingsten ein Hochwasser,
das in weiten Teilen Südbayerns große Schäden verursachte.
Insgesamt waren rund 100.000 Personen betroffen.
-> Mehr Informationen zum Pfingsthochwasser 1999 Das Pfingsthochwasser 1999 jährt sich 2024 zum 25. Mal

Hochwasser sind Naturereignisse, die es immer gab und auch künftig immer geben wird. Nur Historiker werden das vermutlich größte Hochwasser des letzten Jahrtausends aus dem Jahres 1342, das "Magdalenenhochwasser" kennen. Es ist das das vermutlich größte geschichtlich belegte Sommerhochwasser in Mitteleuropa und hinterließ in allen Flussgebieten verheerende Spuren, gestaltete die Landschaft um, vernichtete die gesamte Ernte und löste eine Hungersnot aus.

Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre dagegen haben wir noch gut in Erinnerung insbesondere das Pfingsthochwasser 1999. Es war Anlass für die Bayerische Staatsregierung, den Schutz vor Hochwasser stärker als bis dahin voranzutreiben. Dennoch: Schutz hat Grenzen. Daher ist auch jeder Einzelne weiterhin gefordert, sein persönliches Risiko gering zu halten.

Was hat die bayerische Wasserwirtschaft seither unternommen,
um vergleichbare Ereignisse zu vermeiden

  • Schutz vor Hochwasser in Bayern

Seit 2001 haben der Freistaat Bayern und die Kommunen im Allgäu in einer Vielzahl von Projekten über 250 Mio. € in den Hochwasserschutz investiert. Der Hochwasserschutz für die allermeisten Siedlungsgebiete ist auf dem Stand der Technik.

  • Bilanz der Hochwasserschutzmaßnahmen - PDF
  • Übersichtskarte der Hochwasserschutzmaßnahmen - PDF
  • Hochwasserschutzprojekte

Wie kann jeder einzelne sein persönliches Risiko verringern
  • Checkliste Hochwasser - PDF
  • Hochwasser Info Bayern

Ausgangs- und Hochwassersituation beim Pfingsthochwasser 1999
  • Gewässerkundliche Beschreibung - PDF

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Das große Hochwasser von 1909

Unter den großen Hochwassern, die die Nürnberger Geschichte zu verzeichnen hat,
ist das Hochwasser vom 5. Februar 1909 das mit dem höchsten Wasserstand.
-> Mehr Informationen zum Hochwasser 1909 Das große Hochwasser von 1909
Erika Scherze Dipl.-Geol., Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg
Unter den großen Hochwassern, die die Nürnberger Geschichte zu verzeichnen hat, ist das Hochwasser vom 5. Februar 1909 das mit dem höchsten Wasserstand. An vielen Stellen der Altstadt lassen sich die Hochwassermarken finden, die die damals erreichte Wasserhöhe dokumentieren.

Die beeindruckendste Stelle ist dabei am Eingang des heutigen Cafes Casa Pane (ehemaliges Bäumlersches Haus) am Hauptmarkt, wo die Hochwassermarken vieler Jahrhunderte wieder angebracht wurden. Für das Hochwasser von 1909 muss man den Kopf in den Nacken legen und einen Punkt deutlich über dem eigenen Kopf anvisieren – so hoch stand damals das Wasser. Das große Hochwasser bedeckte den gesamten Hauptmarkt bis über die Stufen des Schönen Brunnens. Aber nicht nur der große Marktplatz wurde in einen See verwandelt, auch alle niedrig gelegenen Straßen der Altstadt verwandelten sich in reißende Nebenflüsse der Pegnitz.

Menschen mussten unter schwierigen Bedingungen zum Teil aus dem ersten Stock ihrer Häuser gerettet werden. Es wird berichtet von großen Schäden an Gebäuden und Warenbeständen, kleinere Stege wurden ganz weggerissen, wie der Fischersteg an der kleinen Insel Schütt, größere Brücken wurden durch Kolke gefährlich unterhöhlt und mussten aufwändig saniert werden wie die Kanalbrücke in Doos, aber auch viele Brücken der Innenstadt.

Uns Nachgeborene beschäftigen dabei vor allem die Fragen: Wie kam es zu dem großen Hochwasser und könnte das heute wieder passieren?

Wie entstand das große Hochwasser?
Die Analyse zeigt, dass einige Faktoren zusammenwirken mussten, damit die Pegnitz Hochwasser dieser Größenordnung führte:

- ein tiefgefrorener Boden
Ab dem 18. Januar 1909 war starker Forst zu verzeichnen, so dass der Boden bis auf eine
Tiefe von 1 m gefroren war. Dadurch wurden in der Folgezeit das normale Eindringen des Wasser in den Boden verhindert und die üblichen unterirdischen Wasserwege durch den Karstplombiert: Alles Wasser musste an der Oberfläche abfließen.

- eine stattliche Schneedecke
Ab dem 31. Januar setzten ergiebige Schneefälle ein, die zu einer dicken durchgehenden Schneedecke (und einem Verkehrschaos) führten.

- ein plötzlicher Wärmeeinbruch
Die Temperaturen, die in den ersten Tagen des Februars noch weit unter Null lagen, machten vom 2. bis zum 4. Februar einen Sprung in der Größenordnung von 10 Grad.

- ein starker Regen
Am 3. Februar setzte ein warmer SW-Wind ein. Der Schneefall ging im Laufe des 4. Februar in starken Dauerregen über. Dieser drang in die lockere Schneedecke ein, wurde zunächst von dieser aufgesogen, löste sie dann aber auf, und die so verstärkten Wassermassen flossen zu Tale.
Nachdem der Schnee weitgehend geschmolzen war, bereitete eine neuerliche Kältewelle ab dem 6. Februar dem Spuk ein Ende.

Die Hochwasserwelle baut sich vor den Toren der Stadt auf
In Folge der oben angeführten Umstände begann in den frühen Morgenstunden des 4. Februar das Wasser im gesamten Einzugsgebiet der Pegnitz zunächst langsam zu steigen. Die Pegelstände von Michelfeld, Hohenstadt, Hersbruck, Lauf, Behringersdorf, Nürnberg (Museumsbrücke) und Nürnberg (Lederersteg) zeigen das Auf und Ab der Flutwelle.

Der Michelfelder Pegel (Entfernung nach Nürnberg:104 Flusskilometer) erreichte seinen Höhepunkt am 5. Feb., 4.00 Uhr und der Pegel Hohenstadt (52 km) am 5. Feb. um 14.00 Uhr nachmittags, zu einem Zeitpunkt also, als in Nürnberg der Wasserstand bereits wieder zu sinken begann. Die Flutwelle der oberen Pegnitz trug also nicht in vollem Umfang zum Nürnberger Höchststand bei.

Von entscheidender Bedeutung waren dagegen die Nebenflüsse im Hersbrucker Raum. Der Hirschbach, der Högenbach und der Happurgerbach brachten mit ca. 200 Kubikmetern fast die Hälfte der Hochwassermenge. Kleinere Beiträge lieferten noch Sittenbach, Hammerbach, Schnaittach und mehrere kleine Bäche im Raum Röthenbach.

Ihren Höchststand erreichten die Pegel Hersbruck (Entfernung nach Nürnberg 47 Flusskilometer) am 5. Feb., 1.00 Uhr nachts und Lauf (26 Flusskilometer) um 4.00 Uhr
nachts und stehen damit in direktem Zusammenhang mit dem Höchststand an der
Nürnberger Museumsbrücke am 5. Feb., 8.00 Uhr.

Während die Flutwellen vor der Stadt sich langsam aufbauten, zeigt der Pegel an der Museumsbrücke einen Steilanstieg zwischen 4. Feb., 23.00 Uhr nachts und 5. Feb., 2.00 Uhr morgens und rasantes Weitersteigen bis 8.00 Uhr. Die Plötzlichkeit dieses nächtlichen Ereignisses traf die Nürnberger wenig vorbereitet - die aus Hersbruck und Lauf nach Nürnberg weitergegebenen Nachrichten klangen offenbar nicht allzu dramatisch - und schlug sich daher in hohen Sachschäden nieder.

Der Grund für dieses überraschend schnelle Ansteigen ist in der topografischen Beschaffenheit des Pegnitztales begründet: Die erste Hochwasserwelle verlief sich in den breiten Talauen vor der Stadt mit ihren großen Mäandern, Altwässern und Überflutungsflächen. Dies spiegelt der kontinuierliche Anstieg des Pegels Behringersdorf wider. Erst als diese Stauräume aufgefüllt waren und sozusagen überliefen, raste die Flutwelle auf die Stadt zu.

Die Wassermassen, die viel Platz in den breiten Talauen gehabt hatten, wurden am Einfluss in die Stadt in einem Nadelöhr zusammengezwängt und türmten sich dadurch zu ungeahnter Höhe. Die Pegnitz verließ ihr durch zahlreiche Wehre und sonstige Einbauten noch weiter eingeengtes Bett und ergoss sich in die Nürnberger Altstadt.

„Mit unheimlicher Schnelligkeit war das Wasser in den Nachtstunden gestiegen und sperrte jeglichen Verkehr durch die inneren Stadtteile ab. Sämtliche Brücken waren unpassierbar geworden. Gleich einem wilden Strom schoß das Wasser durch die Straßen.“ Nürnberger Chronik, März 1909.

Am 6. Februar, als der größte Teil des Schnees geschmolzen war, setzte wieder Frost ein und stoppte den Wassernachschub. Der Abfluss gestaltete sich in der Altstadt schneller als in den Talauen westlich der Stadt, wie der langsame Rückgang des Pegels Lederersteg zeigt. Hier wirkte sich noch der Rückstau an der Dooser Kanalbrücke aus, die mit ihrer geringen lichten Weite wie ein Wehr auf die Wassermassen wirkte.

Die Flut breitet sich in der Stadt aus
Die eintreffende Welle überflutete die tiefer gelegenen Teile von Wöhrd und füllte die Wöhrder Wiese auf bis auf eine Höhe von 1,5 m unter der Mauerkrone am Prinzregentenufer. Die Fränkische Tagespost vom 5.Februar 1909: „Die Wöhrder Wiese gleicht einem großen breiten Strom von schmutziggelbem Wasser. Dahertreibende Telephonmasten haben sich an Bäumen gefangen und bilden mit anderen Gegenständen Wehre, über welche die Wassermassen tosend stürzen.“

Die Wassermassen zwängten sich durch die Brücken am Marientorgraben, ergossen sich in den Burggraben, bevor sie durch das Kasemattentor die Insel(n) Schütt überschwemmten. Es gab damals noch eine große und eine kleine Insel Schütt. Der nördlichste Pegnitzarm wurde im Zug der Flussregulierung zugeschüttet, auf der früheren kleinen Schütt steht heute das „Studentenhaus“. „Große Verheerungen richtete das rasende Element an der Insel Schütt an, wo es, eingeengt, sich mit elementarer Gewalt Luft schaffte. Der Fischersteg ist weggerissen und liegt längs dem Ufer am Sand, wo die alten malerischen Häuschen in der Gefahr schweben, von dem schwimmenden Steg erdrückt zu werden.“ Fränkische Tagespost, 5. Feb. 1909.

Neue Gasse und Tuchergasse verlaufen parallel zur Pegnitz und wurden deshalb zu Flüssen umfunktioniert. „Die neue Gasse, die Tucherstraße, der Spitalplatz sind in reißende Flüsse verwandelt. In kleinen Häusern steigt man vom 1. Stockfenster bequem in den Rettungskahn…
Am Obstmarkt schaut das Gänsemännchen ängstlich von seinem Sockel auf einen großen Wasserspiegel, der, 1 Meter hoch, immer höher zu steigen droht. Noch 20 m und das Wasser hat das neue Rathaus erreicht.“ Fränkische Tagespost, 5. Feb. 1909.

Dramatisches ereignet sich auch auf dem südlichen Pegnitzarm. Hier stand, mitten in den Fluss gebaut und nur von dem später abgerissenen Katharinensteg aus erreichbar, das „Gasthaus zur Pegnitz“. Die hier vom Fluss Eingeschlossenen mussten mit Leitern zum rettenden Ufer gebracht werden.

„Am unheimlichsten ist's zweifellos in der Spitalgasse und in der Plobenhofstraße, wo die Häuser bis zum 1. Stock vollständig unter Wasser stehen. Aus offenstehenden Oberlichtfenstern schwimmen Zigarrenkisten, Flaschen usw. davon…An der Fleischbrücke schießen die Wasser aus den Läden. Auf der anderen Seite, beim alten Fleischhaus, ist das Unglück unbeschreiblich. Von einzelnen Häusern sieht man kaum noch den 1. Stock…

Am gewaltigsten sieht der Hauptmarkt aus: Ein großer wildbewegter See, dessen südliche Seite von einem reißenden Strom durchzogen wird, alles mit sich nehmend, was nicht niet- und nagelfest ist. Um 10 Uhr stand das Wasser am Schönen Brunnen schon 40 cm hoch…Vom Hauptmarkt und von der unteren Karlsbrücke her schießtdas Wasser in weitem Strudel 1 – 2 Meter hoch durch die Weintraubengasse auf den Maxplatz“.
Fränkische Tagespost, 5. Feb. 1909.

Rettungs- und Versorgungsmanöver
Die vom Hochwasser eingeschlossenen Menschen wurden zum Teil in mühseliger und abenteuerlicher Weise aus ihren Häusern geholt. Die Feuerwehr leistete Großes in diesen Tagen. „Der Hausmeister im Amtsgericht an der Karlsbrücke konnte mit seiner Familie mit knapper Not vorm Ertrinken gerettet werden. Verzweifelt stand er auf dem Fenster, nach Hilfe rufend, während das Wasser immer höher und höher stieg. Endlich konnte er mit seinen Angehörigen auf einen Wagen gerettet werden.“ Fränkische Tagespost, 5. Feb. 1909.

Diejenigen, die in den oberen Stockwerken ihrer Häuser ausharrten, mussten mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Oft teilten sie ihre Bedürfnisse auf Papptafeln mit. Seile wurden über das Wasser gespannt und Pakete mit dem Nötigsten zu den Eingeschlossenen gezogen. „Die Bewohner der überschwemmten Stadtteile sind vielfach ohne hinreichende Nahrung. Die Feuerwehr bringt nach Kräften Hilfe. Aus mehreren Häusern wurden Notschüsse abgegeben.“ Fürther General-Anzeiger, 6. Feb. 1909.

Verkehrsprobleme
Schon vor Mitternacht des 4. Februar hatte die steigende Flut alle Brücken der Altstadt unpassierbar gemacht. Der Verkehr konnte nur noch über die höher gelegenen Brücken am Ring aufrechterhalten werden. Im Überschwemmungsgebiet selbst waren Kähne ein wichtiges Fortbewegungs- und vor allem Rettungsmittel. Sie zu manövrieren erwies sich aber wegen der starken Strömungen als schwierig. Eine der ersten Maßnahmen nach dem Hochwasser wardaher, an vielen Stellen in der Stadt eiserne Ringe anzubringen, durch die ein Seil gezogen werden sollte, damit die Kähne nicht abtreiben.

Schäden
Mannigfache Schäden richtete das Hochwasser an. Gerade bei dem ärmeren Teil der Bevölkerung, der in dem überfluteten Bezirk wohnte, wurden Hausrat und Wohnungseinrichtungen unbenutzbar gemacht.

„Schauerlich hat in den engen Gassen und Gäßchen, dem malerischen Bild Alt-Nürnbergs, das entfesselte Element gewütet. Entkleidet von aller Dekoration, heruntergerissen die Gardinen, die Fenster offen – boten sich die Wohnungen den Blicken der Vorübergehenden. Wohnungen? Nein für diese Schlupfwinkel ist nur das Wort Höhlen angebracht.“ Nürnberger Chronik, März 1909.

Die Waren, der betroffenen Geschäfte waren durch das Wasser und vor allem durch den Schlamm verdorben, wenn sie nicht gleich weggeschwemmt worden waren. Die noch halbwegs brauchbaren Reste mussten zu Niedrigpreisen verschleudert werden. Nicht wenige Kaufleute und Bewohner der überschwemmten Bereiche verloren ihre Existenzgrundlage. Häuser wurden baufällig und mussten aufgestützt und renoviert werden.

Aus den Straßen waren die Pflastersteine gerissen worden, es blieben große Löcher mit Schmutzlachen. Einen wesentlichen Anteil an der Verwüstung hatte auch das mitgeführte Treibgut, z. B. dicke Balken, die sich wie Torpedos in die Einbauten am Fluss gruben. Die Holzstege in der Altstadt waren weggerissen und auch die großen Brücken teilweise beschädigt. „Beim Kasemattentor ist die Holzbrücke vollständig vernichtet. Auch der Rotschmiedssteg ist beschädigt. Der Kettensteg ist durch das angeschwemmte Holz usw. so beschädigt, daß er wohl neu errichtet werden muß. Ebenso stark wurde der Steg beim Henkersteg in Mitleidenschaft gezogen“. Fürther General-Anzeiger, 6. Feb. 1909.

Alles in allem wird der Schaden, den das Hochwasser anrichtete, auf über 3 Millionen Reichsmark geschätzt, eine Zahl, die uns gering vorkommt, für die damalige Zeit aber, in der ein Pfund Brot 16 Pfennige kostete, war sie gewaltig.

Hilfsbereitschaft und Spenden
In Anbetracht der Not, die bei den unmittelbaren Opfern der Flut eingetreten war, entwikkelte sich eine große Welle von Hilfsbereitschaft. Alle großen Zeitungen veröffentlichten Spendenaufrufe, denen rege Folge geleistet wurde. Einzelne Unternehmen starteten Sonderangebote für die Hochwasseropfer.

Konsequenzen
Die Not und die Schäden, die das Hochwasser hervorgerufen hatte, hinterließen einen tiefen Eindruck auch bei den städtischen und staatlichen Stellen. Bereits 1888 waren Pläne für eine Verhütung von Überschwemmungen gemacht worden und in den Schubladen verschwunden. Diesmal wurde das Geschehen vom Hydrotechnischen Bureau in München gründlich dokumentiert und bereits 1910 ein umfassender Plan ausgearbeitet, wie künftig Hochwasserkatastrophen zu vermeiden seien. Ein kleiner Teil dieser Vorschläge (z. B. die Begradigung der Pegnitz im Westen) wurde noch zu Anfang des Jahrhunderts in die Tat umgesetzt, der größte Teil der sogenannten Hochwasserfreilegung (z. B. die Verbreiterung der Pegnitz im Altstadtbereich, der Hochwassertunnel, der Wöhrder See) erfolgte jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg. Alles in allem könnte eine Wassermenge, wie sie 1909 große Teile der Nürnberger Altstadt verwüstete, heute ohne Auswirkungen durch die Stadt hindurch abfließen.

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Der Hochwasserschutz von Nürnberg

In der Chronik der Stadt Nürnberg wird bereits aus dem Jahre 1342 von einer großen Wasserkatastrophe berichtet. Bis zum heutigen Tage können seit dieser Zeit etwa 85 mittlere, 45 große und etwa 11 ausgesprochene Katastrophenhochwässer der Pegnitz aufgezählt werden.
-> Mehr Informationen zum Hochwasserschutz von Nürnberg Der Hochwasserschutz von Nürnberg
Karl-Heinz Isert, Staatl. Wasserwirtschaftsamt Nürnberg
In der Chronik der Stadt Nürnberg wird bereits aus dem Jahre 1342 von einer großen Wasserkatastrophe berichtet. Bis zum heutigen Tage können seit dieser Zeit etwa 85 mittlere, 45 große und etwa 11 ausgesprochene Katastrophenhochwässer der Pegnitz aufgezählt werden. Die Pegnitz mit ihrem Einzugsgebiet von ca. 1100 km² und einer Normalwasserführung von 10 m³/s. hatte bei diesen Katastrophenhochwässern eine Wasserführung von über 300 m³/s.

Ein beträchtlicher Teil der Stadt Nürnberg, insbesondere ein Großteil der historischen Altstadt, lag im Überschwemmungsgebiet der Pegnitz und wurde bei den Katastrophenhochwässern oft schwer betroffen. So weiß die Chronik von den schrecklichen Folgen der Flutwellen zu berichten.

Neben Schäden an den Fluren, Straßen und Wegen der Stadt Nürnberg stürzten im Jahre 1784 ganze Häuserreihen ein, Brücken wurden unterkolkt und Stege mit fortgerissen. Nicht minder schwer war das Hochwasser im Jahre 1849.

Das bedeutendste Hochwasser der jüngeren Vergangenheit schließlich war das Hochwasser vom Jahre 1909. Man errechnete, dass dieses Katastrophenhochwasser 430 m³/s. führte. Zahlreiche Straßen, insbesondere die tief gelegene Altstadt, wurde bis zur Höhe des 1. Stockwerkes der Häuser überschwemmt. Der angerichtete Schaden ging in die Millionen Goldmark (1 Goldmark = ca. 3,32 Euro).

Planungen und Entwürfe zum Hochwasserschutz
Die, wenn auch in weiteren Abständen, wiederkehrenden großen Überschwemmungskatastrophen veranlassten den Stadtrat von Nürnberg, nach dem Hochwasser vom Jahre 1876 durch Prof. Frauenholz in München einen generellen Entwurf für die Hochwasserfreilegung der Altstadt ausarbeiten zu lassen.

Schon damals hatte man erkannt, dass die zahlreichen Triebwerkseinbauten in der Pegnitz mit den vielen Wasserrädern hemmend auf den Hochwasserabfluss wirkten. Insbesondere deshalb, weil die damit verbundenen festen Wehre ohne Grundablass waren und beim Steigen des Wasserspiegels kein größerer Durchflussquerschnitt freizugeben war.

Ebenfalls stellten die vielen Brücken sowie die niedrigen Bögen des Heilig-Geist-Spitales ein weiteres Hindernis dar. Schon in diesem ersten Entwurf war vorgesehen, die den Abfluss behindernden festen Wehre durch bewegliche Schützenwehre zu versehen und Flussverbreiterungen vorzunehmen. Im Bereich des Stadtgebietes waren solche Verbreiterungen des Flusslaufes jedoch nicht durchführbar.

Nach dem Hochwasser 1909 wurden die Planungen zur Durchführung der Hochwasserfreilegung wieder aufgenommen. Das damalige Hydrotechnische Bureau in München hatte in seinem Entwurf vorgesehen, die Hochwässer der Pegnitz in einem 3-km-Stollen, der unter dem Burgberg hindurchgeführt werden sollte,abzuführen. Doch auch dieses Projekt scheiterte an den hohen Kosten.

Der bayerische Staat aber hatte 1911 immerhin die Bedeutung der Durchführung der Hochwasserfreilegung erkannt. Er hatte die Pegnitz zum Fluss mit erheblicher Hochwassergefahr erklärt und damit die Aufgabe der Unterhaltungs- und Ausbaumaßnahmen an der Pegnitz dem Bezirk Mittelfranken übertragen, der einerseits wieder mit erheblicher Förderung des Unternehmens mit staatlichen Mitteln rechnen konnte.

Der 1. Weltkrieg und die unglücklichen Nachkriegsverhältnisse aber hatten das Projekt, welches bereits mit umfangreichen Regulierungsmaßnahmen bei Nürnberg-Doos und unterhalb des Lederersteges seinen Anfang nahm, wieder in Vergessenheit geraten lassen.

Während des letzten Krieges wurde die Altstadt nahezu vollkommen zerstört. Der Wiederaufbau der Altstadt erforderte aber mit in erster Linie auch den Ausbau der Pegnitz, deren Ufer, Stege, Triebwerk- und Stauanlagen fast restlos vernichtet waren. Ein Hochwasser in den ersten Nachkriegsjahren in dem Ausmaße wie 1909 hätte verheerende Auswirkungen gehabt.

So war es gerade die Oberste Baubehörde in München, die der Stadt Nürnberg vor dem Aufbau der Stadtviertel beiderseits der Pegnitz empfahl, Maßnahmen zur Hochwasserfreilegung der Altstadt zu treffen und wirtschaftlich und wasserbautechnisch vertretbare Regulierungsmaßnahmen auszuarbeiten.

Für die Planer ergaben sich infolge der Zerstörungen neue Gesichtspunkte: Da alle alten Triebwerksanlagen, deren Wehre das größte Hindernis für die früher geplanten Regulierungsmaßnahmen bildeten, vernichtet wurden, waren die Voraussetzungen gegeben, von dem Projekt des sogenannten Burgbergstollens abzugehen und das alte Projekt des Prof. Frauenholz wieder aufzugreifen, welches für die neuen Projekte manchen Hinweis gab.

Schließlich entstand ein Projekt des Dipl.-Ing. Hautum und der generelle Entwurf des Hauptamtes für Tiefbauwesen der Stadt Nürnberg, der im Jahre 1952 durch die Oberste Baubehörde im Prinzip genehmigt wurde. Nachdem in den Jahren 1950 bis 1954 einige Uferschutzbauten durch das damalige Straßen- und Flussbauamt Nürnberg ausgeführt wurden, übernahm 1954 das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg infolge des 1. Gesetzes zur Staatsvereinfachung die weitere Planung und Bauleitung für die Hochwasserfreilegung von Nürnberg.

Durchführung der Hochwasserfreilegung
Die Regulierungsmaßnahme erstreckte sich von der Johannisbrücke bis oberhalb der Steubenbrücke. Ausgehend von einer festen Sohlenkote beim Lederersteg sah das Projekt vor, bei Einhaltung eines Sohlengefälles von 1:1000die Flusssohle zu vertiefen, das Flussbett auf das hydraulisch notwendige Profil zu verbreitern und möglichst alle störenden Einbauten in der Pegnitz zu beseitigen. Ferner waren die erforderlichen Uferschutzmaßnahmen zu treffen, um künftige Ausuferungen und schädliche Uferangriffe zu vermeiden.

Es war aber auch darauf Rücksicht zu nehmen, dass viele der alten Bauten in der Altstadt auf Pfahlroste gegründet sind, für deren weitere Erhaltung die Beibehaltung des bisherigen Grundwasserstandes erforderlich war.

Die Beseitigung der alten Stauanlagen ohne Errichtung neuer Stauanlagen hätte Nachteile zur Folge gehabt, die nicht zu übersehen gewesen wären. Deshalb mussten anstelle der alten, festen Wehre den Stau selbsttätig haltende, bewegliche Wehre eingebaut werden. Die Erhaltung alter, historischer Bauten, wie Fleischbrücke und Heilig-Geist-Spital, forderte außerdem noch besondere Baumaßnahmen. Es mussten die Widerlager der Bögen des Heilig-Geist-Spitals unterfangen und die Sohle mit einer Betonsohle gesichert werden.

Für die Beseitigung der Pegnitzenge zwischen Fleischbrücke und Museumsbrücke waren zwei Lösungen zur Wahl gestanden. Die in wasserbautechnischer Hinsicht günstigere Lösung der Verbreiterung der Pegnitz in diesem Bereich mit der Auflage der Neuerstellung der leischbrücke musste zurücktreten. Um die Fleischbrücke zu erhalten, wurde die Pegnitzenge durch den Hochwasserstollenbau umgangen. Diese Maßnahme kam schließlich im Jahr 1954 durch das Hauptamt für Tiefbauwesen zur Ausführung.

Die Hochwasserfreilegung umfasste unter anderen folgende wesentlichen Maßnahmen:
1. Die Erstellung des Weidenmühl-, des Nägelein-, des Katharinen- und des Bauriedelwehres.
2. Den Bau des Hochwasserstollens, von der Museumsbrücke bis unterhalb der Fleischbrücke.
3. Den Neubau der Museumsbrücke.

Von den durchgeführten Maßnahmen werden folgende eingehender beschrieben:

Die Museumsbrücke und der Hochwasserstollen
Die Flussenge zwischen der Fleischbrücke und der Museumsbrücke verschuldete bei Hochwässern beträchtliche Rückstauungen. Die Wassermassen fluteten dann vorwiegend bei der Großen Insel Schütt über die Ufer. Die Beseitigung dieser Flussenge war daher eine wesentliche Maßnahme der Hochwasserfreilegung. Es standen hier, wie bereits erwähnt, zwei Vorschläge gegenüber. Dem Wasserbauer erschien es richtiger, diese Flussenge durch Verbreiterung der Pegnitz zu beseitigen. Die Freunde zur Erhaltung der Altstadt jedoch legten Wert auf das Bestehen der bekannten Fleischbrücke.

Den verständlichen Wünschen zur Erhaltung alter, nicht im Kriege zerstörter Bauwerke wurde Rechnung getragen, indem man von der Museumsbrücke bis unterhalb der Fleischbrücke einen Hochwasserstollen erbaute.

Das Hauptamt für Tiefbauwesen der Stadt Nürnberg hatte für die Ausführung dieses Teilprojektes die Planung und die Bauleitung übernommen.
Der bayerische Staat und der Bezirk Mittelfranken haben für diese Maßnahme Zuschüsse in dem Umfang gegeben, wie sie für die sogenannte offene Verbreiterung auch gewährt worden wären. Im Zuge dieses Stollenbaues musste die alte Museumsbrücke abgebrochen werden. Die neue Brücke, die in Anpassung an die Verkehrsverhältnisse eine um 9,0 m breitere Fahrbahn erhielt, spannt sich wieder in zwei Bögen über die Pegnitz.

Ein dritter Brückenbogen dient als Stollenmund, der nur vom Heilig-Geist-Spital her gesehen
werden kann.

Der Stollen, der insgesamt 140 m lang ist, wurde in einer offenen Baugrube als Stahlbetonkonstruktion erstellt. Seine lichte Höhe beträgt 4,0 m; seine lichte Breite 10,0 m. Die Bemessung ist so erfolgt, dass der Stollen bebaut werden kann.

Dieser Bericht des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg wurde im Wesentlichen gegen Ende der Fünfziger Jahre verfasst. Seit der Hochwasserfreilegung, die im Jahr 1962 abgeschlossen wurde, hat es ein Jahrhunderthochwasser in Nürnberg nicht mehr gegeben. Die Schutzmaßnahmen konnten deshalb bis heute (2019) ihre Bewährungsprobe hinsichtlich der Funktionsfähigkeit noch nicht unter Beweis stellen.

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